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Für 75 % der Deutschen, das sind etwa 60 Millionen Menschen, gehört das Internet schon seit Langem zum Alltag. Selbst in der Gruppe der über 70-Jährigen geht inzwischen mehr als jeder Dritte täglich online. E-Mails schreiben, online einkaufen und Bankgeschäfte abwickeln ist dabei genauso selbstverständlich wie auf kostenpflichtigen Online-Portalen zu spielen und online auf Partnersuche zu gehen. Und alleine 40 % der Deutschen nutzen mindestens einmal täglich soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram, Twitter oder WhatsApp.

  • Facebook ist eine Art Treffpunkt im Internet, an dem man mit Freunden und Bekannten kommuniziert. Wer sich bei Facebook kostenlos registriert, hat eine eigene Profilseite, um sich mit Informationen, Texten, Fotos und Videos anderen vorstellen zu können. Über eine Suchfunktion kann man nach den Namen von Freunden, Kollegen und Bekannten sowie Familienmitgliedern suchen. Um sich mit diesen zu vernetzen, schließt man „Freundschaft“ mit ihnen. Zusätzlich können Nachrichten oder andere Informationsseiten „abonniert“ werden.
  • Twitter ist ein sogenannter Mikroblogging-Dienst. Privatpersonen, Organisationen, Unternehmen und Mediendienste können auf dieser Plattform telegrammartige Kurznachrichten verbreiten. Nach einer Registrierung kann der Dienst kostenlos genutzt werden, um selbst Kurznachrichten, sogenannte Tweets (aus dem Englischen für zwitschern), zu verfassen.
  • Instagram dagegen ist auf die Verbreitung von Fotos und Videos spezialisiert. Über eine App für Smartphones können Fotos und Videos aufgenommen, mit Filtern versehen und anderen NutzerInnen zugänglich gemacht werden.
  • WhatsApp ermöglicht seinen Nutzern, Text-, Ton-, Video- und Bildnachrichten an einzelne Personen oder an Gruppen zu versenden. Eine Registrierung erfolgt mit der eigenen Handynummer. Die Nachrichten werden dabei über die Internetverbindung des Smartphones verschickt.

Was passiert nach dem Tod mit den Accounts bei Facebook & Co?

Bei der großen Anzahl an verschiedenen Online-Konten ist es nicht einfach, den Überblick über die eigenen digitalen Aktivitäten zu behalten. Eine Herausforderung (bzw. ohne Hilfe nahezu unmöglich) ist dies vor allem nach einem Todesfall, denn online leben Verstorbene weiter. Ihre Profile bleiben bei E-Mail-Anbietern, sozialen Netzwerken oder Spielportalen bestehen. Zudem sind zahlreiche Online-Aktivitäten mit laufenden Verträgen verbunden, die Geld kosten. Und solange der Anbieter nichts vom Tod des jeweiligen Nutzers erfährt, läuft der Vertrag mit allen Kosten weiter. Für die Hinterbliebenen kann das teuer werden, denn der sogenannte digitale Nachlass gehört zur Erbschaft. Dieser umfasst sämtliche digital erfassten Aufzeichnungen und Accounts, wie Websites des Verstorbenen, E-Mail-Konten, Profile in sozialen Medien, Online-Datenspeicher, Verträge mit Internet-Anbietern, Newsletter-Abonnements, Online-Shop-Accounts und Online-Banking-Konten. Im Todesfall stehen die Erben, selbst wenn sie keinen Zugriff auf die Konten und Profile des Verstorbenen haben, in der Pflicht, eventuell anfallende Kosten zu tragen.

Wie regelt man den eigenen digitalen Nachlass?

Leider haben bisher nur 8 % der Deutschen bereits Vorkehrungen für ihr digitales Erbe getroffen, wie eine repräsentative Umfrage der Webportale GMX und WEB.DE ergab. Wer seine hinterbliebenen Angehörigen nicht vor unlösbare Aufgaben stellen möchte, sollte genau dies aber rechtzeitig tun.

Sinnvoll ist es dabei vor allem, eine Person des Vertrauens mit allen Aufgaben rund ums digitale Erbe zu betrauen. Zudem ist es empfehlenswert, ein Verzeichnis der E-Mail-Accounts, Shopping-Konten oder Social-Media-Profile und den zugehörigen Passwörtern anzulegen. Zur Sicherheit kann dieses verschlüsselt, zum Beispiel auf einem USB-Stick, gespeichert werden. Diese Liste sollte dann an einem sicheren Ort, zum Beispiel in einem Bankschließfach oder in der Kanzlei eines Anwalts, deponiert werden. In einer beigelegten Verfügung zum digitalen Nachlass kann nun noch ganz konkret festgelegt werden, welche Daten und Konten gelöscht werden sollen, wie mit den Konten in sozialen Netzwerken umgegangen werden soll und was mit den im Netz vorhandenen Bildern passieren soll. Wie gewünscht handeln kann die ausgewählte Vertrauensperson jedoch nur, wenn die Vollmacht handschriftlich verfasst, mit Datum und Unterschrift versehen wurde und „über den Tod hinaus“ gilt.

Eine weitere Möglichkeit, für das digitale Erbe vorzusorgen, ist es, konsequent für alle wichtigen Dienste eine Haupt-E-Mail-Adresse zu verwenden. Diese E-Mail-Adresse ist Dreh- und Angelpunkt der digitalen Existenz. So genügt es, einer Vertrauensperson nach dem Tod Zugriff auf dieses E-Mail-Konto zu gewähren und die anderen Dienste ohne Passwort in einer Liste zu führen. Die Vertrauensperson kann dann die Passwörter der verschiedenen Dienste mithilfe dieser E-Mail-Adresse zurücksetzen lassen, um so Zugriff auf das komplette digitale Erbe zu erhalten.

Meiden sollte man dagegen Unternehmen, die anbieten, den PC oder andere Geräte im Todesfall zu durchforsten, da dabei zu viele persönliche Daten weitergegeben werden können. Auch von Firmen, die zu Lebzeiten Passwörter gegen Gebühr speichern, um sie im Ernstfall an Angehörige weiterzugeben, ist aus Datenschutz- und Sicherheitsgründen abzuraten.

Wie ist die Regelung bei Meldung eines Todesfalles bei Facebook, Twitter & Co?

  • Das Melden eines Todesfalls ist bei Facebook klar geregelt. Es gibt das Formular „Besondere Anfrage bezüglich des Kontos einer verstorbenen Person“. Dieser Antrag muss ausgefüllt und dann direkt entschieden werden, wie Facebook mit dem Konto verfahren soll. Es gibt entweder die Möglichkeit, das Konto samt aller Inhalte wie Videos und Bilder zu löschen oder es in den Gedenkstatus (Erinnerungsfunktion) zu versetzen
  • Auch Accounts bei Twitter lassen sich im Todesfall via Kontaktformular löschen, das Vorgehen ist aber etwas aufwendiger.
  • Bei Instagram kann das Konto, ebenso wie bei Facebook, wahlweise in den Gedenkzustand versetzt oder gelöscht werden. Dafür gibt es im Hilfebereich eine separate Anleitung, die Angehörigen bei der Beantragung hilft.

Was können Hinterbliebene tun, wenn der digitale Nachlass nicht geregelt ist?

Sollten den Angehörigen die Zugangsdaten für die diversen Online-Konten und Profile nicht bekannt sein, ist es ihnen bei allen Dienstanbietern unter Vorlage der entsprechenden Nachweise, wie einer Sterbeurkunde und/oder dem Erbschein, trotzdem möglich, die Löschung der bestehenden Konten und Profile zu erreichen. Bei manchen Diensten, beispielsweise bei Facebook (wie bereits erwähnt), kann dabei zwischen Löschen des Kontos und einem Gedenkzustand gewählt werden, in der das Nutzerkonto zur Erinnerung an den Verstorbenen eingefroren wird. Dies bietet Freunden, Bekannten, Verwandten und anderen Trauernden die Möglichkeit, an der Pinnwand des Verstorbenen eine Nachricht zu hinterlassen. Zugang zum Konto gewährt Facebook dagegen nicht, da es einen Verstoß gegen die Facebook-Richtlinien darstellt, Anmeldedaten für das Konto einer anderen Person, auch wenn es sich dabei um einen Familienangehörigen handelt, herauszugeben.

Zuletzt sorgte hierzu auch ein Prozess für viel Aufregung und einen zähen juristischen Streit vor Berliner Gerichten: Eine Mutter wollte die Facebook-Nachrichten ihrer verstorbenen 14-jährigen Tochter einsehen, da sie sich darüber die Aufklärung der Todesumstände erhoffte. Das Mädchen war an einem Berliner U-Bahnhof von einem einfahrenden Zug tödlich verletzt worden und die Mutter wollte klären, ob es sich um einen Suizid gehandelt haben könnte. Das Passwort für den Facebook-Account hatte die Mutter zwar, dieser war aber bereits im „Gedenkzustand“, weshalb sich die Mutter dort nicht einloggen konnte. Laut Urteil des Berliner Kammergerichtes kann Facebook jedoch nicht gezwungen werden, die Chat-Protokolle herauszugeben. Am 12.07.2018 entschied der Bundesgerichtshof allerdings, dass die Eltern Zugang zum Facebook-Konto ihrer toten Tochter erhalten. Wer sich bei Facebook anmeldet, schließt mit Facebook einen Vertrag. Und dieser Vertrag wird, so wie Gegenstände und andere Verträge, ganz schlicht vererbt - so das Urteil der Bundesrichter. Zwar könnte in einem Vertrag ausgeschlossen werden, dass so ein Account vererbt wird, was allerdings in diesem Fall nicht geschehen ist. Darüber hinaus entschieden die Bundesrichter, dass der so genannte Gedenkzustand eines Kontos bei Facebook, was quasi der Einfrierung eines Kontos entspricht, unwirksam ist.

Bedeutung hat das BGH-Urteil aber nicht nur für Facebook, sondern auch für ganz reguläre E-Mail-Accounts. Somit ist gesichert, dass E-Mail-Konten Verstorbener den Erben zugänglich gemacht werden müssen.

Checkliste zur Regelung des eigenen digitalen Nachlasses:

  • Vertrauensperson zum digitalen Nachlassverwalter bestimmen
  • Übersicht aller Accounts mit Benutzernamen und Kennwörtern anfertigen und jährlich oder bei Bedarf öfter aktualisieren, auf einem passwortgeschützten USB-Stick speichern und an einem sicheren Ort deponieren
  • in einer Vollmacht detailliert regeln, wie mit dem digitalen Nachlass umgegangen werden soll.

Bild: © Tierney / stock.adobe.com