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Martina Rosenberg: "Unser Bestreben ist es, mehr Transparenz in die Qualität der Pflege zu bringen."

Martina Rosenberg hat sich der Digitalisierung der Pflegeberatung verschrieben und will den Ratsuchenden im Internet schnelle und wertvolle Antworten digital und rund um die Uhr liefern. Warum das erst der Anfang ist und was wir zukünftig noch alles erwarten können, verrät sie im Interview:

Sie sind eingeladen am 26. September zu einer Podiumsdiskussion beim Digital Health Kongress der Süddeutschen Zeitung. Dabei geht es um die Digitalisierung in der Pflege. Sie stehen aber für pflegende Angehörige. Wie kann man sich in diesem Bereich eine Digitalisierung vorstellen?

Martina Rosenberg: Die Digitalisierung fängt doch an der Stelle an, an der man Informationen sowie Dienstleistung über Computer und Internet erhält. Wir tun das mit unserem Portal PFLEGE.PRO. indem wir für Angehörige und Betroffene zu allen Frage mittels Webinar, Chat sowie digitaler Infopakete, vor und während der Pflege bereitstellen. Eine besondere Rolle spielt dabei unser Bewertungssystem, das wir an die Pflegeheime und Pflegedienste gekoppelt haben. Unser Bestreben ist es, damit mehr Transparenz in die Qualität der Pflege zu bringen. Das muss allerdings aktiv begleitet werden, sonst kann passieren, dass sich dort nur diejenigen austoben, die unzufrieden sind. Tatsächlich wollen wir aber die guten Häuser sichtbar machen. Das hilft den Betroffenen und deren Familien wesentlich mehr. Zu wissen, wo gute Arbeit geleistet wird und wo man sich ohne schlechtes Gewissen hinwenden kann.

Sie fordern mehr Transparenz in der Pflege. Wie wollen Sie das erreichen? Die jetzigen MDK Noten scheinen doch etwas von der Qualität wieder zu spiegeln. Wie stehen Sie dazu? Was ist ihr Rezept?

Martina Rosenberg: Ein Rezept von mir dazu, gibt es leider nicht. Die Qualität der Pflege ist meines Erachtens sehr stark von der Person abhängig, die sie ausführt. Es ist auch nicht besonders originell zu betonen, dass wir zu wenige Fachkräfte in der Branche haben. Aber das ist eines der Kernprobleme. Denn aus diesem Grund können sich die Häuser und die Pflegedienste ihr Personal nicht immer so aussuchen, wie sie es gerne würden. Darunter leidet schlussendlich auch die Qualität. Dennoch gelingt es vielen Pflegeheimen auch unter diesen Umständen verhältnismäßig gute Arbeit abzuliefern. Und anderen wiederum gelingt das überhaupt nicht. Dieses Ungleichgewicht muss viel transparenter werden. Wieso kostet der Heimplatz in Dresden nur 1200 Euro im Monat und in Düsseldorf 2800 Euro? Schlägt sich der Preis auch auf die Qualität nieder? Fragen, die für die meisten Suchenden unbeantwortet bleiben.

Das jetzige Bewertungssystem, eingeführt vom MDK, hat sich als Totalflopp erwiesen. Es werden Kriterien bewertet, die nicht wirklich aussagekräftig sind. Das wurde in der Vergangenheit zu Recht hinreichend kritisiert. Auch wenn es demnächst ein neues Verfahren dazu gibt, ist doch nichts so wichtig, wie die Meinung der Betroffenen selbst. Damit kann die gesamte Bewertung eines Pflegedienstleisters hervorragend abgerundet werden und hilft den Familien bei der Entscheidung. Zudem stellt es sicher, dass sich die Verantwortlichen der Herausforderung stellen müssen und flächendeckend das Qualitätsbestreben insbesondere das Einführen eines Beschwerdemanagement vorantreiben. Da sehe ich bei vielen Heimbetreibern noch Nachholbedarf.

Die Altersgruppe der pflegenden Angehörigen, die sie ansprechen bewegt sich zwischen 40 und 70 Jahren. Ist es denn wirklich möglich, diese Zielgruppe mit Digitalisierung zu erreichen?

Martina Rosenberg: Eine gute Frage, die wir uns im Team auch öfters mal stellen. Wer kommt eigentlich auf unser Portal und wie alt ist unsere Zielgruppe? 56 Prozent der Menschen zwischen 50 und 59 Jahren sind täglich im Internet unterwegs und das mit steigender Tendenz. Ab einem Alter ab 60 Jahren sind es hingegen nur noch knapp 30 Prozent. Dennoch, hatten wir kürzlich einen Kunden, der 92 Jahre alt war. Zunächst dachten wir, dass seine Kinder für ihn das digitale Infopaket bestellt hätten. Aber nach einem Anruf unsererseits, war schnell klar, dass er es selbst heruntergeladen hat und auch nutzte. Daran kann man sehen, dass die Digitalisierung bereits überall ankommt und keineswegs bei einem bestimmten Alter aufhört. Sicherlich ist die Mehrheit unserer Webseitenbesucher und Kunden, in einer jüngeren Altersklasse zu finden. Hier spielt der Wunsch, sich unabhängig von Uhrzeit oder verbindlicher Terminvereinbarung, schnell die passgenauen Informationen abzuholen, eine vorrangige Rolle. Wir entwickeln täglich neue Ideen, wie wir noch gezielter und besser informieren können. 

Wie sieht ihr Portal in drei Jahren aus?

Martina Rosenberg: Da hoffe ich, dass wir noch schneller bedarfsgerechter unterstützen können und einen Investor gefunden haben, der unsere Vision teilt.