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Ein ungewohnter Rollenwechsel

Pflegebedürftigkeit ist ein schleichender Prozess. Er beginnt mit ersten Einschränkungen und endet oft mit einem Dasein als kompletter Pflegefall. Dies führt zu einer Reihe von Herausforderungen für pflegende Angehörige. Besonders schwierig ist oft der Rollenwechsel zwischen (erwachsenen) Kindern und Eltern.

Der Rollentausch als Herausforderung

Für Eltern ist es ganz normal, ihre Kinder zu füttern und zu wickeln. Den erwachsenen Eltern die Windeln zu wechseln, ist jedoch eine komplett andere Sache.

Neben dem Schamgefühl stellt sich oft die Psyche quer: 
Die Eltern wurden stets als Vorbilder gesehen, als überlegene Menschen, auf deren Hilfe man zählen konnte. Sie plötzlich hilflos und schwach zu sehen, stellt oft eine enorme Herausforderung für die Psyche dar. Noch schwieriger wird es, wenn der Elternteil dement ist und die eigenen Kinder nicht mehr erkennt oder aggressiv reagiert.

Die schleichende Überforderung

Mit zunehmender Verschlechterung des Allgemeinzustandes steigen diese Herausforderungen. Viele Angehörige reden sich ein, dass sie "es schon schaffen", obwohl sie längst überfordert sind. Zudem führt der wachsende Zeitaufwand zu einem Rückgang der notwendigen sozialen Kontakte.

Wie kann man diesen Kreislauf durchbrechen? Hier empfehlen sich drei Strategien:

  • Eine Aufteilung der Pflege auf mehrere Angehörige
  • Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst (dieser kann zum Beispiel die Intimpflege übernehmen, die meist als besonders belastend empfunden wird)
  • Schaffung von Freiräumen durch Kurzzeitpflege

Man muss nicht alles alleine machen

In vielen Fällen nimmt der Druck deutlich ab, wenn sich mehrere Verwandte die Arbeit teilen. So kann eine Person die Morgenpflege übernehmen, während eine andere am Abend vorbeikommt. Die Folge ist eine spürbare Entlastung für alle.

Dazu kommt: Wenn mehrere Geschwister gleichzeitig mit dem Rollenwechsel umgehen müssen, sorgt das für gegenseitiges Verständnis und schweißt die Familie oft noch stärker zusammen.

Der ambulante Pflegedienste

Diese kommen direkt ins Haus. Selbst, wenn es nur darum geht, den Pflegebedürftigen morgens aus dem Bett zu holen und zu waschen, stellt dies eine deutliche Erleichterung dar. Spätestens, wenn es um Wundversorgung geht, sollte ein externer Pflegedienst hinzugezogen werden.

Die Kurzzeitpflege

Hier wird die pflegebedürftige Person für einen kurzen Zeitraum außer Haus gepflegt.
Die Kinder können die Zeit nutzen, um beispielsweise übers Wochenende wegzufahren. Es stellt eine Rückverbindung zum normalen Leben her und hilft, wieder Energie zu tanken.

So gelingt die Elternpflege:

  • Die eigenen Eltern zu pflegen, führt zu wachsenden Belastungen und schließlich häufig zu einer schleichenden Überforderung. Dieser gilt es zu begegnen.
  • Eine Aufteilung der Tätigkeiten auf mehrere Geschwister verschafft spürbare Erleichterung.
  • Ambulante Pflegedienste leisten wertvolle Unterstützung.
  • Kurzzeitpflege hilft, wieder ins Leben zu finden und sich mit Energie zu versorgen.

Bild: © Halfpoint / stock.adobe.com